Anweisung zur Ausführung des Ministerialbeschlusses vom 8. April, 1908, betreff Einsetzung eines Reblausdienstes.

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Anweisung zur Ausführung des Ministerialbeschlusses vom 8. April, 1908, betreffend die Einsetzung eines Reblausdienstes

A. Ständiger Reblausdienst.

I. Allgemeine Bestimmungen.

Das Weingelände der weinbautreibenden Gemeinden des Großherzogtums wird in engere Aufsichtsbezirke eingeteilt. Diese Bezirke sollen in der Regel nicht mehr als 50 Hektar umfassen. Die diesbezüglichen Vorschläge haben der Distriktskommissar von Grevenmacher und der ständige Ausschuß der Weinbaukommission in kürzester Frist der Zentralverwaltung einzusenden.

Die Ernennung der Kantonalsachverständigen und der Lokalbeobachter hat der Distriktskommissar von Grevenmacher bei der Zentralbehörde zu beantragen; hierbei soll er nach Möglichkeit nur solche Bewerber berücksichtigen, die mit Erfolg einen staatlichen Reblauskursus des In- oder Auslandes befolgt, oder bei den Begehungen, Untersuchungen und Bekämpfungsarbeiten die für den Reblausdienst nötigen Kenntnisse erwerben haben. Durch die Annahme ihrer Ernennung verpflichten sich die Bewerber das ihnen übertragene Amt gewissenhaft auszuüben und zwar solange bis ihnen der Entlassungsbeschluß des Generaldirektors zu Händen gelangt ist, auch in dem Falle, wenn sie ihre Entlassung selbst beantragt haben.

Während der Begehungen müssen sowohl die Kantonalsachverständigen, wie die Lokalbeobachter stets die ihnen durch den Weinbauaufsichtskommissar gemäß Art. 5 des Beschlusses vom heutigen Tage auszustellende Vollmacht (Anlage A und A1) bei sich führen und dieselbe auf Verlangen vorzeigen. Bei ihrer Entlassung haben sie diese Vollmacht an den Weinbauaufsichtskommissar wieder abzuliefern.

2. Die Lokalbeobachter.

Den Lokalbeobachtern liegt es ob:

1) in den ihnen zugewiesenen Bezirken - sowohl in den Weinbergen, wie, auch in Gärten und Handelsgärtnereien, wo sich Reben befinden - die Wachstums- und Gesundbeitsverhältnisse der Rebe sorgfältig zu überwachen und namentlich auf alle Krankbeitserscheinungen der Rebe ihre Aufmerksamkeit zu richten:
2) den Neupflanzungen ihre Aufmerksamkeit zu widmen und darüber zu wachen, daß nicht gegen das bestehende Verbot bewurzelte oder unbewurzelte, einheimische oder irgendwelche ausländische Reben aus einem fremden Weinbaubezirk oder gar auf reblausverdächtigen Gegenden in die Gemarkung eingeführt werden.

Zu diesem Zwecke hat der Lokalbeobachter nicht nur dauernd bei Gelegenheit seiner privaten Geschäftswege den ihm zugewiesenen Bezirk zu beobachten, sondern noch besonders zweimal jährlich, und zwar, insoweit seitens des Weinbauaufsichtskommissars nicht anderweitige, Anordnungen getroffen werden, einmal im Frühjahr, nach Beendigung der allgemeinen Pflanzzeit und das zweite Mal im Sommer, zwischen dem 15. Juli und 1. September, einer genauen Besichtigung zu unterziehen.

a) Bei den Frühjahrsbegängen hat der Lokalbeobachter hauptsächlich und insbesondere die im Laufe des Winters und Frühjahrs in seinem Bezirke ausgeführten Neuanlagen zu beobachten, sowohl zusammenhängende Jungfelder, wie auch Einzelpflanzungen in den Weinbergen und in den Gärten, an den Häusern und vorkommenden Falls in der Treibhäusern. An der Hand der später zu erwähnenden Anmeldeverzeichnisse für Neupflanzungen ist festzustellen, ob die vorhandenen Neupflanzungen vorschriftsmäßig angemeldet worden sind; im Falle des Vorfindens nicht angemeldeter Neupflanzungen hat der Lokalbeobachter die Pflicht, der Ortspolizelbehorde (Bürgermeister, oder Polizeikommissar) sofort Anzeige zu erstatten und die Ermittelung der Herkunft der angepflanzten Reben zu beantragen. Auch ist dem Kantonalsachverständigen von dem Vorkommnis Meldung zu machen.
b) Die Behänge im Sommer, während der Zeit vom 15. Juli bis zum 1. September, sind dergestalt vorzunehmen, daß der Lokalbeobachter jede verdächtige Erscheinung an einem oder mehreren Weinstöcken zu bemerken im Stande ist, die sich aus einer Abweichung von der normalen Beschaffenheit der Reben in derselben Weinbergslage ergibt, oder die, insofern es sich um Haus- oder Gartenreben handelt, dem gesunden Wüchse in Gartenböden nicht entspricht. Die Besichtigung der Weinstöcke hat sich ausschliesslich auf die äußerlich wahrnehmbare Beschaffenheit zu erstrecken; jedwedes Angraben der Weinstöcke zum Zwecke der Besichtigung oder Untersuchung der Wurzeln, ist dem Lokalbeobachter strengstens untersagt.
c) Außerdem ist der Lokalbeobachter verpflichtet, von allem, was sollst bezüglich des Verdachtes der Reblauskrankheit innerhalb des ihm zugewiesenen Aufsichtsgebietes zu seiner Kenntnis gelangt, namentlich auch, falls es sich um gesetzwidrige Einführung von Reben aus fremden Weinbaubezirken handelt, unverzüglich der Ortspolizeibehörde und dem Weinbauaufsichtskommissar Anzeige zu erstatten.

Geben dem Lokalbeobachter aus privater Quelle Anzeigen über wahrgenommene verdächtige Erscheinungen zu, oder hat er selbst derartige Betrachtungen gemacht, so hat er den Sachverhalt unverzüglich an Ort und Stelle zu prüfen und dabei sein Augenmerk nicht nur auf solche Umstände zu richten, die unmittelbar das Vorhandensein der Reblaus befürchten lassen, sondern auch auf alle übrigen Anzeichen, die eine ungewöhnliche Beschaffenheit der Reben bekunden. Von dem Befunde hat der Lokalbeobachter dem Weinbauaufsichtskommissar unter Darlegung der mutmaßlichen Ursachen, der verdächtigen Erscheinungen unverzüglich Anzeige zu erstatten, damit alsdann seitens des letzteren ungesäumt eine eingehende Untersuchung veranlaßt werden kann.

Der Lokalbeobachter hat über sämtliche in dem ihm zugewiesenen Bezirk vorkommende Neupflanzungen von Reben - bewurzelt oder unbewurzelt - gleichviel ob in zusammenhängenden Jungfeldern oder in einzelnen Weinstöcken zur Ausbesserung von Lücken in älteren Pflanzungen oder in Gärten, au Häusern, in Treibhäusern usw, Buch zu führen in Form einer Nachweisung nach der angebogenen Anlage B.

Zum Zwecke der laufenden Eintragungen in diese Nachweisung hat der Lokalbeobachter mindestens monatlich von dem zuständigen Kantonalsachverständigen eine Abschritt der daselbst eingelaufenen, seinen Bezirk betreffenden «Anmeldungen» von Weinpflanzungen einzufordern, damit er am Schlusse der Rebenpflanzzeit in der Lage ist, gelegentlich des vorzunehmenden Frühjahrsbeganges die in den Weinbergen und Gärten seines Bezirkes vorgefundenen Neuanlagen mit den Eintragungen seiner Nachweisung zu vergleichen und auf diese Weise etwa vorgekommene nicht vorschriftsmäßig angemeldete Neupflanzungen festzustellen und pflichtgemäß zur Anzeige zu bringen.

Bis spätestens zum 1. November jeden Jahres hat der Lokalbeobachter die Nachweisung über die Neupflanzungen an den Kantonalsachverständigen einzureichen.

Der Lokalbeobachter hat über seine Tätigkeit sorgfältige Eintragungen in das nach der angebogenen Anlage C anzulegende «Revisionsbuch» zu machen. Tiefe Eintragungen sind spätestens an dem auf die Beobachtung folgenden Tage vorzunehmen.

Das Revisionsbuch ist dem Weinbauaufsichtskommissar, sowie dem zuständigen Kantonalsachverständigen jederzeit auf Verlangen vorzulegen.

Ohne weitere Aufforderung ist dasselbe nach Vornahme sämtlicher Besichtigungen, spätestens bis zum 1. November jeden Jahres, dem zuständigen Kantonalsachverständigen einzureichen.

Es wird dem Lokalbeobachter zur besonderen Pflicht gemacht, die Eintragungen in das Revisionsbuch sorgfältig und sachgemäß vorzunehmen.

Die Lokalbeobachter haben den ihnen von dem Weinbauaufsichtskommissar erteilten Weisungen Folge zu leisten, also namentlich über bestimmte Fragen Auskunft zu erteilen und Aufträge, die sich auf die Besichtigung besonderer Weinberge beziehen, auszuführen.

Als zu vergütende Verrichtungen des Lokalbeobachters sind nur die vorstehend vorgeschriebenen Frühjahrs- und Herbstbegehungen und solche Begänge anzusehen, die infolge dienstlicher Aufforderung zur Begleitung der Kantonalsachverständigen, der fliegenden Kolonnen oder infolge auderer besonderer Anordnung ausgeführt werden. Die Aufstellung seiner Vergütung hat der Lokalbeobachter mit dem Revisionsbuche an den zuständigen Kantonalsachverständigen einzureichen.

3. Die Kantonalsachverständingen.

Der Kantonalsachverständige hat allen von dem Weinbauaufsichtskommissar an ihn ergebenden Ersuchen in Reblausangelegenheiten zu entsprechen, auf Verlangen Gutachten abzugeben und Rebpflanzungen, Reben, Rebteile usw. zu untersuchen.

Ihm liegt insbesondere ob:

1) die Tätigkeit der Lokalbeobachter zu überwachen und den ihm zugewiesenen Bezirk während der für die Beobachtung günstigen Jadreszeit zu begehen;
2) Mitteilungen über verdächtige Erscheinungen ohne Verzug auf ihre Nichtigkeit zu prüfen und Wahrnehmungen, die den Verdacht einer Reblausverseuchung erwecken oder auf Verletzung einer zum Schutz gegen die Reblaus erlassenen Vorschrift oder Anordnung schließen lassen, sofort dem Weinbauaufsichtskommissar anzuzeigen;
3) besondere Aufmerksamkeit über den Befolg der Vorschriften über Neuanlagen und Nachpflanzungen, den Verkehr mit Reben und anderen Pflanzen und den Anbau amerikanischer Reben zu richten;
4) über die Begehung und Besichtigung der Rebpflanzungen ist ein «Rebschaubuch» nach Anlage D zu führen;
5) für jeden Aufsichtsbezirk ein Verzeichnis, der Rebschulen, in denen Reben zum Verkauf gezogen werden, und der Rebpflanzungen in Handelsgärtnereien nach Anlage E anzulegen und in Stand zu halten;
6) eine Abschrift dieses Verzeichnisses dem Weinbauaufsichtskommissar alljährlich bis zum 1. Dezember vorzulegen;
7) die unter Nr. 5 genannten Anlagen jährlich mindestens einmal zu untersuchen.

Ausnahmen von der Vorschrift jährlicher Untersuchungen sollen in der Regel nur für solche kleinere Rebschulen zugelassen werden, die lediglich dem örtlichen Bedarfe dienen.

Die Begehungen der Kantonalsachverständigen haben in der Zeit vom 15. August bis Ende September stattzufinden, nachdem die Lokalbeobachter die ihrigen beendet haben. Sie werden bei ihren Begehungen von dem je zuständigen Lokalbeobachter begleitet. Sie kontrollieren dabei des letzteren Tätigkeit auch an Hand des von demselben ihnen vorzulegenden Revisionsbuches, lassen sich über die gemeldeten schlechten Stellen nähere Auskunft erteilen usw. Der Kantonalsachverständige legt dann nach Beendigung seiner Begehungen die Revisionsbücher der Lokalbeobachter dem Weinbauaufsichtskommissar vor.

Bei der Untersuchung von Rebschulen ist eine Anzahl von Reben zu einwurzeln.

Wurzeluntersuchungen soll der Kantonalsachverständige unbeschadet vorstehender Bestimmung, in der Regel nur auf Anordnung des Weinbauaufsichtskommissars vornehmen, es sei denn, daß ihm bei seiner Anwesenheit in einer Gemeinde Tatsachen zur Kenntnis kommen, die eine sofortige Untersuchung notwendig oder wünschenswert machen. In diesem Falle hat die Untersuchung, in Gegenwart des Lokalbeobachters zu erfolgen.

Kommen durch Berichte der Ortspolizeibehörden, der Lokalbeobachter oder auf andere Weise Tatsachen zur Kenntnis des Weinbauaufsichtskommissars, die den Verdacht einer Verseuchung oder der Verletzung einer zum Schutze gegen die Reblaus erlassenen Vorschrift erwecken, so ist dem Kantonalsachverständigen alsbald Gelegenheit zu geben, sich darüber zu äußern.

Vor Ausführung der Untersuchung einer reblausverdächtigen Pflanzung ist der Verfügungsberechtigte oder dessen Stellvertreter hiervon zu benachrichtigen. Sind dieselben nicht aufzufinden, so ist der Beistand der Ortspolizeibehörde in Anspruch zu nehmen.

Eine vollständige Entwurzelung der zu untersuchenden Weinstöcke wird in den meisten Fällen nicht nötig sein, es wird vielmehr die einfache Bloslegung und Untersuchung von Seitenwurzeln genügen. Jedenfalls hat eine vollständige Entwurzelung nur ausnahmsweise und nur dann zu erfolgen, wenn eine genügende Feststellung des Sachverhaltes auf andere Weise nicht zu erlangen ist.

Wird ein entwurzelter Rebstock für gesund befunden, oder sind andere Schäden nicht zu vermeiden gewesen, so ist betreffs der dem Eigentümer zu bewilligenden Entschädigung gemäß den unter dem Kapitel: «Zeitiger Reblausdienst» vermerkten Anweisungen zu verfahren.

Wird von dem Kantonalsacheverständigen die Reblaus an einem Ort entdeckt, so ist dem Weinbauaufsichtskommissar unter genauer Bezeichnung des verseuchten Grundstücks, erforderlichen Falls auf telegraphischem Wege, hiervon Anzeige zu erstatten.

Unabhängig von den Anordnungen der Ortspolizeibehörde hat der Kantonalsachverständige sofort alle diejenigen Anordnungen zu treffen, welche die Gefahr der Verschleppung des Insektes oder einer weiteren Ausbreitung der Seuche zu befertigen geeignet sind.

Zu diesem Zwecke sind die bei der Untersuchung blosgelegten oder abgetrennten Wurzeln wieder mit Erde zu bedecken und ist der Boden mit zwanzigprozentiger Kresolseifenlösung zu überbrausen, in einem Umfange, in welchem es die vorläufigen Sicherheitsmaßregeln erfordern.

Die infizierte Stelle und deren nächste Umgebung von mindestens 2 - 10 Meter ist durch die Umziehung von Draht oder in anderer geeigneter Weise abzusperren.

Weiter ist dafür zu sorgen, daß die gebrauchten Geräte und das Schuhwert sämtlicher Personen, die das Grundstück betreten haben, mit Kresolseifenlösung desinfiziert werden.

Endlich ist die Ortspolizeibehörde um Ausstellung einer das Betreten des Seucheherdes und die Entnahme von Reben oder Rebteilen u.s.w. aus demselben untersagenden Warnungstafel zu ersuchen.

Der Seucheherd ist bis auf weiteres durch einen zu bestellenden zuverlässigen Wächter zu bewachen.

Ueber den Befund der Untersuchung und über die den mutmaßlichen Ursprung der Verseuchung betreffenden Umstände, sowie über die vorläufig getroffenen Maßregeln hat der Kantonalsachverständige dem Aufsichtskommissar unverzüglich und eingehend zu berichten und die weiter zu treffenden Maßregeln in Vorschlag zu bringen.

B. Zeitiger Reblausdienst.

Zur Ergänzung der Tätigkeit des nach Art. 2 bestellten Aufsichtspersonals hat der Aufsichtskommissar während der für die Beobachtung günstigen Jahreszeit Personen, die zu Wurzeluntersuchungen befähigt sind, in entsprechender Anzahl unter Führung von in diesen Arbeiten erfahrenen Sachverständigen zu Kolonnen zu vereinigen. Diese haben, unbeschadet der in der Umgebung von Seucheherden gebotenen besonderen Maßregeln, alle dem Weinbau dienenden Rebpflanzungen unter Vornahme einer entsprechenden Zahl von Wurzeluntersuchungen in regelmäßiger Wiederkehr zu begehen so, daß jede Rebpflanzung nach längstens 2 Jahren wieder an die Reihe kommt. In gefährdeten Gegenden ist die Zeitfolge dieser engeren Untersuchungen nach Bedarf zu verkürzen, während sie für Rebpflanzungen, die vereinzelt außerhalb eines geschlossenen Weinbaugebietes liegen, verlängert werden kann.

Des ferneren werden Begehungskolonnen gebildet, die unter Beachtung aller passenden Vorsichtsmaßregeln jährlich einen Teil der Rebpflanzungen des Landes zu begehen haben. Diese Begehungsabteilung besteht aus einem Leiter und einer entsprechenden Anzahl von Sachverständigen und Arbeitern.

Die Sachverständigen, sowohl für die engeren Untersuchungen wie für die Begehungen werden im Auftrag des zuständigen Generaldirektors durch den Weinbauaufsichtskommissar, unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufes, zu den Arbeiten herangezogen. Dieselben verpflichten sich, im Falle der Kündigung durch Unterfertigung der angebogenen Erklärung (Anlage F) eine vierzehntägige Kündigungsfrist einzuhalten.

Die Arbeiten geschehen unter Leitung des Weinbauaufsichtskommissars. Die Ausführung derselben erfolgt durch Kolonnen von je 2 - 6 Sachverständigen, die einem hierzu bestimmten Sachverständigen, dem sogenannten Kolonnenführer unterstellt sind, und denen eine entsprechende Anzahl Arbeiter beigegeben wird. Der Kolonnenführer erhält von dem Weinbauaufsichtskommissar eine Vollmacht (Anlage G), die ihn zur Vornahme der ihm übertragenen Untersuchungen und sonstigen Arbeiten - auch gegen den Willen der Weinbergsverfügungsberechtigten ermächtigt.

Den Sachverständigen wird die gewissenhafte Ausführung der ihnen übertragenen dienstlichen Verrichtungen zur Pflicht gemacht. Der Führer hat den Anordnungen des Weinbauaussichtskommissars, das Kolonnenmitglied denjenigen des Führers unbedingt Folge zu leisten.

Jedem Führer wird durch den Weinbauaufsichtskommissar ein bestimmt abgegrenztes Arbeitsfeld zugewiesen, über das hinaus derselbe seine Tätigkeit nicht auszudehnen befugt ist, es sei denn, daß ihn zwingende Gründe hierzu veranlassen, wovon der Weinbauaufsichtskommissar sofort in Kenntnis zu setzen ist. Für die Arbeiten sollen nur solche Arbeiter eingestellt werden, die mit den Weinbauarbeiten vertraut sind, und so weit als tunlich, sollen dieselben aus den Orten des betreffenden Arbeitsfeldes entnommen werden.

Der Kolonnenführer hat für ein rechtzeitiges Engagement der für die Untersuchungen benötigten Arbeiter Sorge zu tragen, und zwar, sofern er mit den Ortsverhältnissen nicht bekannt ist, unter Inanspruchnahme und unter Mitwirkung des Bürgermeisters.

Anfang und Ende der Arbeiten in einer Gemarkung soll dem Bürgermeister vom Führer angezeigt werden Beschränken sich die Arbeiten aus einzelne Gemarkungsteile, so ist dies in der Anzeige anzugeben.

Ein angenommener Arbeiter soll ohne triftigen Grund, der tunlichst dem Weinbauaufsichtskommissar vorher mitzuteilen ist, nicht entlassen werden.

Der Führer hat nicht das Recht, ein Kolonnenmitglied zu entlassen.

Nach Beendigung des Tagewerkes sollen die Sachverständigen und die Arbeiter, vor dem Verlassen des Arbeitsfeldes, Schuhwerk und Geräte gründlich reinigen und für den Nachhauseweg nur Straßen und Fuhrwege benutzen, soweit ein teilweises Durchkreuzen von Weinpflanzungen nicht durchaus unerläßlich ist.

Nach Schluß der Weinberge ist der Führer dafür verantwortlich, daß die Arbeiter, solange sie sich im geschlossenen Weinbergsgelände befinden, sich stets unter Aufsicht befinden. Dies gilt ganz besonders für den Gang zur Arbeitsstelle und für die Heimkehr.

In reblausverdächtigen Gemarkungen, insbesondere in der Nähe von Reblausherden, sind von jedem Heimwege - mittags und abends - auch von jedem Uebergänge von einem Arbeitsfeld in ein anderes, Schuh- und Handwerkszeug mittelst Kresolwasser zu desinfizieren, zu welchem Zwecke die Abteilung während ihrer Tätigkeit in einem reblausverdächtigen Arbeitsfelde stets Kresolwasser nebst Schuh- und Kleiderbürste mit sich zu führen hat.

Ohne triftigen Grund ist es dem Führer nicht gestattet, seine Kolonne zu verlassen.

Das Untersuchen der Weinstöcke ist mit möglichster Schonung der Pflanzungen auszuführen, dabei ist jedoch darauf zu halten, daß unbedingt von jedem zu untersuchenden Stocke Wurzeln aus den verschiedenen Bodenschichten, in der Regel je eine oder niedrere Wurzeln aus der obersten Tiefe, bei zweifelhaftem Ergebnis auch aus den untersten Bodenschichten, zur Untersuchung gelangen. Wenn besondere Umstände auf ein Vorhandensein der Reblaus schließen lassen, obgleich das Insekt an den untersuchten Wurzeln nicht gefunden wurde, so ist der Untersuchende unter Zustimmung des Führers berechtigt, einen oder mehrere Stöcke gänzlich herauszunehmen behufs eingehender Untersuchung sämtlicher am Stocke vorhandenen Wurzeln. Findet sich auch dann die Reblaus nicht vor, so hat der Führer mit dem Verfügungsberechtigten eine Vereinbarung zu treffen über den Wert des oder der zu entschädigenden gesunden Stöcke. Wenn eine Einigung nicht erzielt werden kann, so ist dem Weinbauaufsichtskommissar Anzeige zu erstatten behufs Herbeiführung der Abschätzung des Schadens gemäß Großh. Beschluß vom 6. Januar 1908. Die Vereinbarung oder Abschätzung unterliegt in jedem einzelnen Falle der Genehmigung des zuständigen General-Direktors.

Der Besichtigung bez. Untersuchung der geschlossenen Gärten und Hausstöcke hat in jedem Falle eine Anmeldung bei dem Besitzer oder Verfügungsberechtigten vorauszugehen. Im Falle der Weigerung des letzteren ist nach Art. 2 des Gesetzes vom 12. Mai 1905 zu verfahren.

Der Arbeiter darf die an der abgeschnittenen Wurzel haftende Erde nicht abklopfen.

Die Begehung der Weinpflanzungen hat in der Weise zu erfolgen, daß die Sachverständigen in Begleitung der ihnen zugeteilten Arbeiter in nicht zu engen und nicht zu weiten Abständen von einander aufmerksam durch das Weingelände schreiten, dergestalt, daß dem Auge die Beschaffenheit jedes Stockes bemerkbar ist und keine anormale oder Krankheitserscheinung entgeht, daß aber andererseits durch allzu geringe Abstände keine unnütze Zeitverschwendung eintritt.

Sobald sich krankhafte oder in der Entwickelung zurückgebliebene Stocke vorfinden, oder wenn fremde, in der Gegend nicht übliche, insbesondere amerikanische Rebenarten bemerkt werden, so sind diese Stöcke, soweit erforderlich auch deren nächste Umgebung, auf ein Vorhandensein der Reblaus zu untersuchen. Diese Untersuchung ist, wenn die Ursache der Krankheit zweifelhaft erscheint, auch auf die nächststehenden gesund scheinenden Stöcke auszudehnen. Sind auch dann die Zweifel nicht gehoben, so hat der Führer die verdächtige Stelle, unter Angabe der örtlichen Lage und des Besitzers der Parzelle, dem Weinbauaufsichtskommissar zu melden.

Im Falle des Vorfindens von ohne ersichtlichen Grund ausgehauenen Weinbergsparzellen oder Parzellenteilen, namentlich jüngerer Pflanzungen, sind die leeren Flächen auf ein Vorhandensein von Stockausschlägen zu untersuchen; diese und, soweit es angezeigt erscheint, die nächste Umgebung, sind auf Reblaus zu untersuchen.

Wenn sich bei einer Untersuchung die Gewißheit einer Reblausinfektion ergibt, so hat, falls der Aussichtskommissar oder dessen Delegierter nicht anwesend ist, der Abteilungsleiter sofort alle diejenigen Anordnungen zu treffen, welche die Gefahr der Verschleppung des Insektes zu beseitigen geeignet sind und des näheren unter den Dienstbefugnissen der Kantonalsachverständigen verzeichnet sind.

Zu den Begehungen sollen regelmäßig die Lokalbeobachter in Reblausangelegenheiten zugezogen werden, und zwar soll jeder Lokalbeobachter die Begehungskolonne innerhalb der Grenzen seines Aufenthaltsbezirkes begleiten und dem Kolonnenführer diejenigen Weinpflanzungen bezeichnen, die ihm während seiner Tätigkeit als Lokalbeobachter als «verdächtig» aufgefallen sind. Der Führer soll es sich angelegen sein lassen, die Lokalbeobachter über die Reblauskrankheit, sowie über sonstige gelegentlich der Begehungen beobachteten Nebenkrankheiten aufzuklären und zu belehren.

Während der Begehungen hat der Führer sein Augenmerk auf ein etwaiges Vorhandensein von verbotswidriger Weinbergsdriesche zu richten, im Falle des Vorfindens sind Name und Wohnort des Besitzers und genaue Ortslage der betreffenden Parzellen festzustellen, zu vermerken und dem Bürgermeister anzumelden; auch ist dem Weinbauaufsichtskommissar am Schluß der Arbeiten ein Verzeichnis sämtlich vorgefundener Weinbergsdriesche vorzulegen. Auch auf sonstige Verstöße gegen die zum Schutze gegen die Reblaus erlassenen Vorschriften ist zu achten und vorkommenden Falls dem Weinbauaufsichtskommissar Anzeige zu erstatten.

Die Begehungen haben sich auf sämtliche Weinpflanzungen des der Abteilung zugewiesenen Arbeitsfeldes zu erstrecken, und zwar einschließlich der Gärten und Hausstöcke.

Im Falle der Auffindung eines Reblausherdes hat der Weinbauaufsichtskommissar sowohl die durch die jeweilige örtliche Lage bedingten Schutzmaßregeln, als auch die Vernichtungsarbeiten zu bestimmen.

Der jährliche Arbeitsplan, den der Weinbauaufsichtskommissar dem zuständigen Generaldirektor zur Genehmigung zu unterbreiten hat, soll die Begehung durch fliegende Kolonnen jedes einzelnen Weinberges nach längstens acht Jahren wieder vorsehen.

Luxemburg, den 8. April 1908.

Der Staatsminister,

Präsident der Regierung,

Eyschen.


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